Signum magni Regis

Signum magni Regis
Predigt zum Fest der Erscheinung des Herrn
Magi videntes stellam, dixerunt ad invicem:
Hoc signum magni Regis est:
eamus et inquiramus eum,
et offeramus ei munera,
aurum, thus, et myrrham, alleluja.
Ant. ad Magn. in I Vesp. Epiph.
Als die Weisen den Stern sahen, sprachen sie zueinander:
Das ist das Zeichen des großen Königs:
Lasst uns aufmachen und ihn suchen
und ihm Geschenke darbringen,
Gold, Weihrauch und Myrrhe, Alleluja.
Magnificat-Antiphon zur 1. Vesper vom Fest
Epifania ist ein griechischer Begriff – ἐπιϕάνεια – der ‘Offenbarung’ bedeutet, so wie das Wort Apokalypse ’Enthüllung’ bedeutet. Epifania und Apokalypse sind in gewisser Weise durch dieses ‘Sich-Zeigen’ der Göttlichkeit Jesu Christi verbunden: erstere durch die Huldigung der Heiligen Drei Könige an das Königskind, letztere durch die glorreiche Bekräftigung der göttlichen Königsherrschaft des gerechten Richters am Ende der Zeiten. Erstere als freiwilliger Akt der Unterwerfung unter die höchste Herrschaft unseres Herrn; letztere als Wiederherstellung jener universellen Herrschaft, der sich die rebellische und abtrünnige Welt notwendigerweise unterwerfen muss. An Epiphanie feiert die Heilige Kirche die königliche Salbung des fleischgewordenen Wortes und zeigt dabei die Kraft der Gnade, die den Weg der Heiligen Drei Könige zur Wahrheit Christi erleuchtet, und gleichzeitig die Furcht des Herodes, der seine unrechtmässige und tyrannische Macht bedroht sieht.
Das Gold, der Weihrauch und die Myrrhe, die von den Weisen aus dem Osten als Tribut dargebracht werden, bilden ein christologisches Glaubensbekenntnis. Diese Gaben ehren gleichzeitig die Göttlichkeit, die messianische Königsherrschaft und die wahre Menschheit dessen, der in Bethlehem geboren wurde, während sie auch die doppelte Natur Christi, wahrer Gott und wahrer Mensch, im Hinblick auf die Erlösung bekennen. Und es ist richtig, dass es irdische Könige sind, die dem Messias diese Ehre erweisen: Mit dieser Geste der Anbetung erkennen sie ihre eigene Autorität als eine der höchsten Autorität unseres Herrn unterworfene, unterworfen dem einzigen wahren Herrscher von Natur aus sowie rechtmässig erworben, der einzigen Quelle aller irdischen, weltlichen und geistlichen Autorität.
Die Religion der Welt, die Laizität – also die Inanspruchnahme der Verehrung des Menschen anstelle der gebührenden Verehrung Gottes – weigert sich, vor diesem Kind die Knie zu beugen, denn in dieser Geste müssten die Mächtigen der Erde sich selbst widersprechen und sich ihrerseits einer transzendenten Autorität unterwerfen, die sie dazu zwingen würde, nicht nach Macht und Geld zu streben, sondern nach dem Gemeinwohl ihrer Untertanen in Gehorsam gegenüber Gott. Aus diesem Grund hasst die Revolution die katholische Monarchie, die einzige Regierungsform, die die Ordnung des Kosmos perfekt widerspiegelt und sich als untertan und Stellvertreter des einzigen göttlichen Königs versteht und deshalb nicht in Tyrannei ausarten kann, ohne ihre Legitimität zu verlieren. Nur in der christlichen Gesellschaftsordnung – pax Christ in regno Christi (‘der Friede Christi im Reiche Christi’) – hat der irdische Fürst das Recht, Gehorsam zu verlangen, da er selbst Untertan Christi ist.
Die schreckliche Krise, welche die Nationen und die katholische Kirche selbst verwüstet, hat keinen anderen Ursprung als den Wunsch, die irdische Autorität zu entheiligen. Und wo der göttliche κόσμος (‘Kosmos’) abgelehnt wird, herrscht notwendigerweise das höllische χάος (‘Chaos’), das Babylon einer dystopischen Gesellschaft (‘düstere Gesellschaft, die durch Unterdrückung, Kontrolle und Verlust von Freiheit gekennzeichnet ist, oft getarnt als scheinbar perfekte, aber unmenschliche Ordnung’), die auf Erden die taube Verzweiflung der ewigen Verdammnis vorwegnimmt. Demokratie und Synodalität sind die beiden Chimären (‘Trugbilder’), auf welche die Feinde Christi im zivilen und religiösen Bereich zurückgreifen. Die liberale Demokratie, die sich gegen Gott auflehnt, weil sie den Platz Gottes einnimmt, beansprucht für das Volk die weltliche Souveränität, während das Volk in Wirklichkeit von mächtigen Eliten manipuliert wird, die es formen und lenken. Die Synodalität verwandelt das monarchische Papsttum und die hierarchische Struktur der Kirche in eine parlamentarische Parodie (‘Nachahmung’), die dem Willen des höchsten Gesetzgebers zuwiderläuft.
Die Präsidenten der Republiken, die Premierminister, die Regierenden der Nationen, die Prälaten der konziliaren und synodalen Kirche wollen den Heiligen Drei Königen nicht vor die Krippe folgen; und sie wollen dem König der Könige keine Geschenke darbringen: weder das Gold der Königswürde (Mt 2,2), noch den Weihrauch der Göttlichkeit (Ps 141,2), noch gar die Myrrhe des Erlösungsopfers des fleischgewordenen Wortes (Joh 19, 39).
Diese Gaben, die von den Heiligen Drei Königen aus dem Morgenland gebracht wurden, haben auch eine andere Bedeutung, die eher auf den Geber als auf den Empfänger der Gabe zutrifft. Das Gold steht für das Opfer unserer selbst in Anerkennung der Herrschaft Gottes über uns; der Weihrauch unsere Anbetung und unser Gebet, das vor die göttliche Majestät steigt; die Myrrhe die Abtötung und Buße zur Sühne unserer Sünden. Auch in diesem Fall wollen sich die Mächtigen der Erde nicht Gott unterwerfen, sie wollen ihn nicht anbeten und sich nicht als Sünder und der Vergebung bedürftig erkennen. Es ist das ‘Non serviam’ Luzifers, das arrogant und stolz widerhallt und das nicht zögert, die abwegigsten Götzenbilder anzuerkennen und zu praktizieren, anstatt sich vor dem Heiligen der Heiligen zu verneigen, vor einem Kind, das in die Windeln der Könige gewickelt ist und zu dessen Ehren die Engel vom Himmel herabsteigen, um ihren Gesang anzustimmen. Und doch, wie uns der heilige Paulus ermahnt, gibt es keinen anderen Namen im Himmel, auf Erden und unter der Erde, vor dem sich jedes Knie beugt (Phil 2,10).
Der heilige Augustinus schreibt: «Auch wir haben Christus, unseren König und Priester, der für uns gestorben ist, anerkannt und gepriesen und ihn geehrt, als hätten wir ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe dargebracht; es fehlt uns nur noch, Zeugnis für ihn abzulegen, indem wir einen anderen Weg einschlagen als den, auf dem wir gekommen sind» [1]. Und dieser Weg beginnt mit der Wiederherstellung seines Reiches in unserem Leben, in unseren Familien, in der Gesellschaft: Adveniat regnum tuum; fiat voluntas tua, sicut in cœlo et in terra. Das Reich, das kommen wird – und das in diesen eschatologischen (‘endzeitlichen’) Zeiten immer näher rückt – wird die durch die Sünde zerbrochene Kluft zwischen unserem Willen und dem Willen Gottes wieder schließen. Erkennen wir uns also als Diener an und geben wir Christus die Krone und das Zepter zurück, die wir ihm entrissen haben: Denn Gott zu dienen bedeutet zu regieren, und dazu sind wir als Erben Gottes und Miterben Christi durch die Salbung der heiligen Taufe und die heiligende Gnade bestimmt worden. Als die Heiligen Drei Könige den Stern sahen, sagten sie zueinander: Das ist das Zeichen des großen Königs: Lasst uns hingehen und ihn suchen und ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben darbringen. – Amen.
+ Carlo Maria Viganò, Erzbischof
6. Januar MMXXVI
In Epiphania Domini
Note
1 – Sermo CCII in Epiphania Domini, PL 38, 1033-1035 – Etiam nos, recognoscentes et laudantes Christum regem et sacerdotem nostrum, mortuum pro nobis, honoravimus eum quasi aurum, thus et myrrham offerentes; nobis tantum deest ut testificemur eum, viam aliam redeundo, qua venimus.




