Mira sorte beatior

Mira sorte beatior
Predigt zum Fest des heiligen Joseph,
Bräutigam der allerseligsten Jungfrau Maria
IN einer Welt, die die Vaterfigur auslöscht und die ‘patriarchalische’ Gesellschaft kriminalisiert, um damit den Bezug zur Vaterschaft Gottes in der Brüderlichkeit in Christus zu untergraben, feiert die Heilige Kirche heute den keuschen Bräutigam der allzeit jungfräulichen Maria, den Ziehvater unseres Herrn und Nachkommen des königlichen Geschlechts Davids – proles David inclyta.
Die Krone der Heiligkeit, die auf dem Haupt des heiligen Joseph strahlt, glänzt mit drei kostbaren Edelsteinen: Armut, Keuschheit und Gehorsam. Diese Tugenden, die der christlichen Vollkommenheit eigen sind, bilden die Gelübde vieler religiöser Orden und sind das Lebensmodell für jeden, der sich in der Nachfolge Christi heiligen möchte.
Si quis vult venire post me, abneget semetipsum, et tollat crucem suam quotidie, et sequatur me (Lk 9,23). Diese Worte der fleischgewordenen Weisheit zeigen uns, wie der heilige Joseph es verstanden hat, sich dem Willen Gottes anzupassen: in der Armut, d. h. in der Loslösung von materiellen Gütern und in der Verachtung der Welt; in der Keuschheit, d. h. in der Selbstverleugnung und der Ablehnung der eigenen Begierden; im Gehorsam, d. h. in der Ablehnung des eigenen Stolzes und der Verführungen des Bösen.
Armut: Der heilige Joseph wusste alles aufzugeben – sogar seinen Beruf als Zimmermann in Nazareth -, um den Herrn während der Verfolgung durch Herodes in Sicherheit zu bringen. Keuschheit: Er hat sich bereit erklärt, in vollkommener Enthaltsamkeit als keuscher Bräutigam der Jungfrau der Jungfrauen, der Unbefleckten Mutter Gottes, zu leben. Gehorsam: Der heilige Joseph hat es verstanden, seinen Willen in jedem Augenblick seines Lebens dem heiligen Willen Gottes anzupassen.
Diese Tugenden wurden schließlich auf Erden durch die Einzigartigkeit der Heiligen Familie belohnt, die ein Vorbild an Vollkommenheit und Heiligkeit für alle christlichen Ehepaare ist; und im Himmel durch die ewige Herrlichkeit, mit der er gekrönt ist und die ihm den Titel des Patrons der Weltkirche einbringt, die die geistliche Familie ist, in der jede getaufte Seele Gott als Vater, unseren Herrn als Bruder und die allerseligste Jungfrau als Mutter hat.
Wenn wir unserem Herrn nachfolgen wollen, indem wir uns selbst verleugnen und täglich – quotidie – unser Kreuz auf uns nehmen, müssen wir uns dem Vorbild des heiligen Joseph anpassen. In Demut und Stille hat er sich wahrhaftig selbst verleugnet und die Welt bekämpft und besiegt durch die heilige Armut, die kein Elend ist, sondern Loslösung von irdischen Gütern; das Fleisch durch die heilige Keuschheit, die tägliche Selbstaufopferung und Vorbereitung auf den himmlischen Zustand ist, der jeden von uns erwartet; dem Teufel, durch den heiligen Gehorsam, der keine Unterwürfigkeit ist, sondern die männliche Anerkennung einer hierarchischen Ordnung, die unseren Herrn in den Mittelpunkt von allem stellt und alles auf ihn zurückführt, auch die weltliche und geistliche Autorität, die Stellvertreter der Autorität Christi, des Königs, sind.
Die Beispiele der heutigen rebellischen Gesellschaft sind das genaue Gegenteil. Reichtum und Macht sind heute das gemeinsame Streben: Um sie zu erlangen, ist man zu jedem Kompromiss, zu jedem Verrat bereit – all dies werde ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest (Mt 4,9). Die ganze Welt wirft sich vor den Götzen des Geldes und der materiellen Güter nieder. Wollust und die unaussprechlichsten Gräuel sind zur Normalität geworden und werden sogar Kindern eingeimpft, vom Staat in den Schulen durch Indoktrination zur Perversion aufgezwungen, in den Alltag der Jugendlichen eingeführt, um sie zu korrumpieren und zu Sklaven der zerstörerischsten und unfruchtbarsten Vergnügungen zu machen. Der Stolz – der verfluchte Stolz Luzifers – ist an die Stelle von Demut und Gehorsam getreten und äußert sich manchmal in wahnsinniger Anarchie, manchmal in unglückseliger Unterwürfigkeit.
Auch der kirchliche Leib, in den der Geist der Revolution eingedrungen ist, hat den Sinn für diese heiligen Tugenden verloren. Es gibt viele Priester und Bischöfe, die weltliche Ehren und Reichtümer den unermesslichen himmlischen Schätzen vorziehen, deren Verwalter sie nicht mehr sein wollen. Die Wollust hält viele von ihnen in den Fesseln des Lasters und der Unzucht gefangen und macht sie blind für das Licht der katholischen Wahrheit, taub für die Stimme des Gewissens und der Gnade. Für sie ist Gehorsam kein heroisches Zeugnis der Unterwerfung unter die Majestät Gottes, sondern ein unterwürfiger Beweis der Speichelleckerei gegenüber den Mächtigen der Erde, eine feige Zusammenarbeit mit den Söldnern und Verrätern, die in den heiligen Bezirk eingedrungen sind.
Wenn wir uns selbst und die uns anvertrauten Seelen retten wollen, müssen wir die Bedeutung des Beispiels des heiligen Joseph begreifen. Er wird als terror dæmonum – Schrecken der Teufel – angerufen, denn gerade in der Armut, in der Keuschheit und im Gehorsam findet jede Seele die Mittel, den Fallstricken zu entkommen, die der Böse uns stellt, um uns zu verderben und zu verdammen. Satan hasst und fürchtet Armut, Keuschheit und Gehorsam, denn sie sind ein unüberwindbarer Schutz gegen die Verführungen der Welt, des Fleisches und des Teufels. Und dies gilt in besonderem Maße für unsere Familien, die in der Heiligen Familie von Jesus, Maria und Joseph das vollkommene Vorbild eines einfachen, reinen und Gott treuen Lebens finden können.
Stellen wir uns unter den Schutz des heiligen Joseph: Tu vivens, Superis par, frueris Deo, Mira sorte beatior (‘Du durftest schon in diesem Leben ganz nah bei Gott dem Sohne sein’). Du warst zu Lebzeiten den Heiligen gleich, denn du genossest die Gegenwart Gottes, der dich auf Erden durch ein wunderbares Schicksal selig machte. Amen.
+ Carlo Maria Viganò, Erzbischof
19. März 2026
S.cti Joseph, Sponsi B.M.V.